A Travellerspoint blog

Leh

Indien - Teil XIII

all seasons in one day 25 °C
View RTW Trip 2009/2010 on stefan08's travel map.

Unser Besuch in der Nordindischen Region Ladakh und ihrer kleinen Hauptstadt Leh sollte eigentlich eine entspannte und v.a. regenfreie Zeit werden nach den sehr Monsoon-lastigen letzten Wochen in Indien. Aber wie heisst es so schoen: "Der Mensch plant... und Gott... Gott lacht!" Auch wenn einem nach den Ereignissen der letzten Tage nicht wirklich zum Lachen zu Mute sein kann...

IMG_0021.jpg

Das Bergpanorama, das uns beim Ausstieg aus dem Flugzeug begruesst ist zumindest einmal vielversprechend. Jedoch beginnt der fuer die Region voellig ungewoehnliche Regen dann bereits einen Tag nach unserer Ankunft in Leh am 03.08. Erst nur ein paar kleine Nieselschauer, aber dann zunehmend staerkere Regenfaelle insbesondere Nachts verwandeln die sonst trockenen Strassen kurzfristig in kleine Schlammschluchten. Am 05.08. faellt eine von uns am Tag davor gebuchte Tour in die Klosterdoerfer Alchi, Likir und Rizong kurzfristig aus, weil in der Nacht eine grosse Bruecke bei Nemu auf der Strasse nach Srinagar durch die Wassermassen des Indus fortgerissen wurde. Allerdings denken wir uns nicht viel dabei...

Am 06.08. verbringen wir den ganzen sonnigen Tag mit Sightseeing in Leh, besuchen den Palast und das wunderschoen gelegene, jedoch reichlich baufaellige Fort oberhalb von Leh. In den Shops feilschen wir um "Singende" Meditationsschalen, Pashmina-Schals und allerhand Schmuck mit Lapiz Azuli und Tuerkisen.

IMG_0061.jpg

IMG_0059.jpg

2IMG_0070.jpg

IMG_0077.jpg

IMG_0043.jpg

IMG_0033.jpg

IMG_0038.jpg

Gegen Abend ziehen dann langsam bedrohlich schwarze Regenwolken ueber den Bergen auf, und es fallen die ersten Regentropfen. Gegen 22h setzt dann ein ordentlicher Schauer ein, und wir fluechten in unser Guesthouse. Von dort beobachten wir (dank Stromausfall im Dunkeln) das bedrohliche Blitzen und Donnern sowie die sintflutartigen Regenfaelle vor unserem Fenster. Gegen Mitternacht legt der Regen dann noch einmal richtig los: Wasser und Hagelkoerner(!) werden durch den peitschenden Wind unter unserer Tuer in unser Zimmer geschoben. Durch eine Elekro-Buchse in der Wand tropft es ins Zimmer. Nach ca. einer Stunde ist der Spuk jedoch weitgehend vorbei und wir gehen wieder ins Bett.

Am naechsten morgen ist die Stadt wie ausgestorben. Alle Geschaefte sind geschlossen, und ausser den Touristen sind keine Einheimischen auf den Strassen zu sehen. Wir fragen irritiert herum und finden schliesslich heraus, dass in der Nacht eine Schlammlawine den unteren Teil der Stadt unter sich begraben hat: 150 Tote, mehr als 500 Vermisste... Wir sind geschockt! Die naechsten Stunden verbringen wir damit, herauszufinden was eigentlich genau passiert ist und wie die Situation ist. Die Stimmung in der Stadt ist hektisch bis zur Panik. Hunderte Touristen laufen wirr durch die Strassen von Leh auf der Suche nach etwas zu Essen. Ein einzelner Eckladen, der aufmacht, ist in wenigen Minuten voellig leergekauft. Wir bunkern ein bisschen Wasser und ein paar Kekse fuer den Tag.

IMG_0111.jpg

0IMG_0135.jpg

IMG_0129.jpg

IMG_0141.jpg

IMG_0139.jpg

Am naechsten Tag wird erst das ganze Ausmass der Zerstoerung klar: Alle Zugangsstrassen nach Leh sind vollstaendig zerstoert. Auf der Passstrasse von Manali sind zahlreiche Doerfer von Schlammlawinen begraben worden, und die Strasse ist mehrfach ausgewaschen und unpassierbar. Stromauf- und stromabwaerts im Industal sind Bruecken durch die reissenden Wassermassen weggerissen worden, so dass die Strasse nach Srinagar unbefahrbar ist. Viele Doerfer in den entlegenen Taelern Ladakh wurden ueberschwemmt oder von Erdrutschen erfasst. Die Landebahn des Flughafens wurder ueberspuelt und ist von Geroell uebersaeht. In der Umgebung von Leh werden zig Touristen vermisst, die auf Trekking-Touren in der Umgebung unterwegs waren...

In der Stadt herrscht gemaessigtes Chaos: Der Strom ist ueberall ausgefallen. In den wenigen Stunden, in denen sie tatsaechlich funktionieren, bilden sich vor den wenigen Bankautomaten der Stadt lange Schlangen von Touristen. Die Telefonleitungen sind ausgefallen. Vor den wenigen mit Satellitenverbindung arbeitenden Internet-Cafes sammeln sich Massen von Touristen, die ihren Angehoerigen Bescheid geben wollen oder nach Fluegen aus der Region suchen. Immerhin sind die Restaurants und Geschaefte wieder auf, so dass sich die Versorgungslage entspannt hat. Am Flughafen herrscht jedoch ein unglaubliches Chaos: zig gestrandete Touristen harren stundenlang erfolglos aus, um noch ein Ticket zurueck nach Delhi zu erhaschen. Andere krempeln die Aermel hoch und helfen den von der Schlammlawine betroffenen Einwohnern Lehs, Ihre Haeuser von Dreck freizuschaufeln.

2IMG_0123.jpg

IMG_0121.jpg

Mithilfe eines lokalen Geschaeftsmanns, den wir hier in Leh kennengelernt haben, gelingt es uns nach mehreren hektischen Tagen, bereits fuer den 11. August Flugtickets nach Delhi zu ergattern. Guenstig ist die Geschichte zwar nicht, aber wir sind froh, als wir endlich den Ausdruck der Buchungsbestaetigung in Haenden halten. :)

Posted by stefan08 22:50 Archived in India

Email this entryFacebookStumbleUpon

Table of contents

Be the first to comment on this entry.

Comments on this blog entry are now closed to non-Travellerspoint members. You can still leave a comment if you are a member of Travellerspoint.

Enter your Travellerspoint login details below

( What's this? )

If you aren't a member of Travellerspoint yet, you can join for free.

Join Travellerspoint